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Foto: Hans Jorn Storgaard Andersson

Grünlippmuschel

Grünlippmuschel (Perna canaliculus)

 

Grünschalenmuscheln, auch als Grünlippmuscheln bekannt, sind ursprünglich in Neuseeland beheimatet und werden im deutschen Handel als „Neuseeländische Grünschalenmuscheln“ angeboten.

Herkunft / Zucht

Gezüchtet werden zwei verschiedene Arten in Aquakultur-Farmen an den Küsten Neuseelands, wo sie mit der grünen Schale an Seilen hängend (Hängeleinenkultur) wachsen. Im Juni/ Juli legt die weibliche Muschel bis zu 30 Mio. Eier ab, was wiederum die männliche Muschel stimuliert, Spermien freizusetzen. Die befruchteten Eier beginnen mit der Zellteilung, danach schwimmen sie 3-4 Wochen frei im Plankton herum und beginnen ab einer Größe von ca. 1/4mm Durchmesser, sich an einer festen Basis anzusiedeln.

Dies geschieht in Farmen an der Westküste, wo die Muscheln etwa bis zu einer Größe von 5mm wachsen, dann werden die Taue samt ihrer Anhängsel in Zuchtfarmen an der Ostküste gebracht und neu gesetzt. Dort dürfen sie 18 – 24 Monate wachsen, bis sie bei der Ernte mindestens 10cm lang sind. Das gute und reichliche Wachstum steht in direktem Zusammenhang zu den optimalen Bedingungen, welche den Muscheln geboten werden.

Produktion des Extrakts

Das Verfahren zur Herstellung wurde in Japan entwickelt und patentiert und stellt sicher, dass die Aktivität des Extrakts nicht zerstört wird: ein Teil der Muschel wird entnommen und durch Zentrifugieren eine Flüssigkeit gewonnen, welche gefriergetrocknet wird. Dabei wird sichergestellt, dass die Eiweiße nicht zerstört oder denaturiert werden, damit die wirksamen Substanzen des Produkts nicht verloren gehen. Diese Masse wird dann zu feinem Pulver verarbeitet, welches dann so oder in Kapsel- oder Tablettenform verwendet werden kann.

Therapeutischer Einsatzzweck

Das Extrakt wird als Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkerkrankungen und deren Folgeerkrankungen sowohl beim Menschen, als auch bei Säugetieren (z.B. Hund, Pferd, Katze) eingesetzt. Eine vorbeugende Einnahme ohne Beschwerden oder Diagnose ist nicht schädlich, kann aber auch nicht zur Vorbeugung von Gelenkserkrankungen dienen.

Herleitung des therapeutischen Einsatzzwecks

Wirksamer Bestandteil des Extrakts sind Glykosaminoglykane (GAG), welche auch in der Gelenkflüssigkeit vorkommen. Sie sind ebenfalls Bestandteil von Gewebe und für dessen Stabilität unentbehrlich. Das enthaltene Chondroitonsulfat ist ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes, welcher z.B. bei Arthrosen abgebaut wird. Außerdem ist bekannt, dass Chondroitinsulfat das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems beeinflusst und dessen Reaktion auf Verletzungen reguliert, der Entstehung von Blutgerinnseln vorbeugt und deren Rückbildung fördert. Zudem werden Entzündungsprozesse und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe beseitigt.

Qualität

Bei der oben beschriebenen Form der Gewinnung wird in allen Produktionsstufen – also von der lebenden Muschel bis hin zum Pulver- ständig die Qualität überwacht. Überprüft werden Verunreinigungen mit z.B. Quecksilber, Zink und Blei, unerwünschte mikrobiologische Verunreinigungen aus menschlichen oder tierischen Quellen und auch die Aktivität des Produkts.

Im Handel sind sowohl Präparate aus reinem Pulver erhältlich, als auch Mischungen mit weiteren Substanzen (z.B. Kräutern) erhältlich. Einige Anbieter stellen das entsprechende Analysezertifikat der im Verlauf befindlichen Charge zur Einsicht zur Verfügung, welches die Herkunft und die Qualität nach den oben aufgeführten Richtlinien belegt und dokumentiert. Bei Produkten, die nicht zu 100% aus dem Muschelmehlextrakt bestehen, kann relativ einfach anhand des prozentualen Anteils berechnet werden, wie viel Wirkstoff und wie viel Füllstoffe das Produkt vergleichsweise enthält und in welcher preislichen Relation es zu dem reinen Extrakt steht.

Bei Alleinfuttermitteln und Nahrungsergänzungen ist der Gehalt deutlich niedriger und die wirksamen Inhaltsstoffe aufgrund des Herstellungsverfahrens (Erhitzung) möglicherweise weniger aktiv oder sogar inaktiviert. Zudem kann die Herkunft und auch das Herstellungsverfahren in der Regel nicht rückwirkend in Erfahrung gebracht und so die Qualität bewertet werden.

Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Produkt sollte also nicht alleine über den Preis oder aus Bequemlichkeit (zugunsten eines „all-in-one-Produktes“) erfolgen. Zusätzliche Bezeichnungen wie „Pharmaqualität“ oder „Lebensmittelqualität“ sind bei den für Tiere erhältlichen Produkten irreführend und sagen faktisch nichts über die vermeintlich gute oder bessere Qualität aus. Um ein Futtermittel in den Verkehr zu bringen, wird keine dieser Zertifizierungen an einen Futtermittelhändler ausgestellt. Entscheidend für einen Qualitäts- und Preisvergleich ist der Gehalt an Glykosaminoglykanen (GAG) des Produkts.

Dosierung

Die Dosierung hängt stark von der Qualität des eingesetzten Produktes ab und sollte sich in Abhängigkeit des Einsatzzwecks und des Patienten nach den Angaben auf der Verpackung richten.

Nachweise zur Wirksamkeit

Es werden seit mehr als 30 Jahren Untersuchungen angestellt und Studien veröffentlicht, welche sich auf die Auswirkungen der Einnahme von Grünlippmuschelpräparaten auf Gelenkerkrankungen sowohl beim Menschen als auch beim Tier beziehen. Die vollständigen Studien sind unter den jeweiligen Links (siehe unten) zum Teil kostenpflichtig zu erwerben.

Alle Studien belegen, dass sowohl beim Menschen als auch beim Tier entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften nachgewiesen werden konnten. Dennoch gilt auch hier, wie bei anderen Nahrungsergänzungen oder Medikamenten, dass jedes Lebewesen individuell regieren kann: bei einigen wirken die Präparate hervorragend, bei anderen gut, und bei manchen Patienten überhaupt nicht. Grünlippmuschelextrakt wirkt ebenso gut oder schlecht wie andere Mittel, die bei Gelenkbeschwerden eingesetzt werden, jedoch ohne deren meist ernste Nebenwirkungen (z.B. auf den Magen-Darm-Trakt).

Auszüge aus ausgewählten Studien

The treatment of arthritis with a lipid extract of Perna canaliculus: a randomized trial S.L.M. Gibson, R.G. Gibson

Vergleich der Wirkung eines flüssigen Extrakts der neuseeländischen Grünlipp- Miesmuschel mit Grünlipp-Miesmuschel-Pulver bei Rheuma und Osteoarthritis in einem 3-monatigen Doppelblindvergleich der beiden Präparate und einer weiteren 3-monatigen Periode des flüssigen Extrakts für alle Patienten in der Poliklinik des Homöopathischen Krankenhauses in Glasgow. Messkriterien: Gelenkindex des gemeinsamen Druckschmerzes (AI), Morgensteifigkeit (LUT), Greifkraft in jeder Hand, Sehentsprechungsskala des Schmerzes und funktioneller Index (FI).

Ergebnisse: Verbesserung bei 76% der Rheumapatienten und 70 % der Patienten mit Osteoarthritis. AI, LUT und FI verbesserten sich deutlich binnen 3 Monaten. Beide Präparate schienen in gleichem Maße wirksam. Ein Patient zeigte Wassereinlagerungen, einer entwickelte Brechreiz. Es wurden keine anderen Nebenwirkungen festgestellt.

Fazit: Sowohl das stabilisierte, gefriergetrocknete Miesmuschel-Pulver als auch der flüssige Extrakt reduzieren wirkungsvoll Schmerz, Schwellungen und Steifigkeit und verbessern den funktionellen Index bei rheumatischer Arthritis und Osteoarthritis.

Veröffentlichung: Complementary Therapies in Medicine, Vol 6, Issue 3, September 1998, Seite 122-126 http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0965229998800034

 

Influence of green lipped mussels (Perna canaliculus) in alleviating signs of arthritis in dogs Buli LM, Bierer RL

Diese Studie untersuchte die Wirksamkeit von Grünlippmuschel (GLM) als Nahrungsergänzung zu einem Trockenalleinfutter zur Linderung klinischer Anzeichen von Arthritis bei Hunden.

Es wurde eine Doppelblind-Längsschnittstudie mit 31 Mischlingshunden vorgenommen, die Arthritis in unterschiedlichen Ausprägungen zeigten. Jeder Hund wurde von einem Tierarzt untersucht und die Gelenke individuell nach dem Grad der Schmerzen, Schwellung, dem Reibegeräusch und der Bewegungseinschränkung klassifiziert. Die Summe aller Werte für den einzelnen Hund ergab seinen Arthritis-Grad. Zu Beginn der Studie wurden die Hunde nach dem Zufallsprinzip Kontroll- und Testgruppen zugeordnet. Beiden Gruppen wurde das gleiche Trockenfutter gefüttert, welchem bei der Testgruppe 0,3% GLM hinzugefügt wurde.

Die Veränderung des Arthritis-Grades nach 6 Wochen zeigte eine signifikante Verbesserung (P < 0,05)* in der Testgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Signifikante Verbesserungen wurden auch bei den Gelenkschmerzen und Schwellungen in der Testgruppe beobachtet. Veränderungen im Gelenkreibegeräusch und Umfang der Gelenkbewegung waren nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Versuchs- und Kontrollgruppen.

Diese Ergebnisse liefern starke Beweise dafür, dass GLM zusätzlich zu einem Alleintrockenfutter gegeben werden und die Symptome von Arthritis bei Hunden lindern können.

Veröffentlichung: Vet Ther. 2003 Winter;4(4):397-407 Waltham USA, 3250 E 44th Street, Vernon, CA 90058, USA. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15136981

Anmerkung: *In der Statistik steht der p-Wert für den Signifikanzwert. Bei einem p-Wert kleiner oder gleich 5% (wie in dieser Studie) spricht man von Signifikanz, also dass ein Zusammenhang angenommen wird.

 

Green-lipped mussel (Perna canaliculus) extract efficacy in knee osteoarthritis and improvement in gastrointestinal dysfunction: a pilot study Coulson S., Vecchio P., Gramotney H., Vietta L

Zentrum für Integrative Klinische und Molekulare Medizin, School of Medicine, University of Queensland und The Princess Alexandra Hospital, Brisbane, Queensland, Australien

Grünlippmuschelextrakt verbesserte deutlich Schmerzen, Steifigkeit und Mobilität des Kniegelenks. Die Gabe des GLM-Extrakts verbesserte ebenfalls deutlich gastrointestinale Symptome bei 49% der Patienten mit Osteoarthritis. Da gastrointestinale Dysfunktion mit einer analgetische Medikation zusammenhängt, wird darüberhinaus gefolgert, dass die therapeutische Wirkung des verwendeten GLM-Extrakts möglicherweise mit seiner Wirkungen auf die gastrointestinale Funktion korreliert.

Ergebnisse aus dieser Studie unterstreichen die Voraussetzung für die weitere klinische Untersuchungen von Magen-Darm-Trakt Funktion im OA-Patienten.

Veröffentlichung: Inflammopharmacology 2012 Apr;20(2):71-6. doi: 10.1007/s10787-012-0128-6. Epub 2012 Feb 26. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22366869

 

Mögliche Schäden, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen

Die Einnahme von natürlichen Nahrungsergänzungen bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie auch immer frei von unerwünschten Nebenwirkungen sind.

Studien und Erfahrungsberichten bezüglich der Einnahme von Grünlippmuschelextrakt zufolge führt auch ein Vielfaches der normal empfohlenen Dosis nicht zu körperlichen Schäden.

Wechselwirkungen zu gleichzeitig eingenommenen Medikamenten können auftreten, sind aber im Einzelfall in Verbindung mit der individuellen Medikation zu bewerten. Bislang sind allerdings keine unerwünschten Wechselwirkungen mit Medikamenten beobachtet worden, welche in der Regel bei arthritischen Erkrankungen oder zur Schmerztherapie eingesetzt werden.

Bisher dokumentierte Nebenwirkungen (bei Menschen) sind allergische Reaktionen mit Übelkeit, Schwindel und teilweise Hautausschlägen, welche nach Absetzen des Produkts wieder zurück gingen. Ein großer Prozentsatz berichtet von anfänglich stärkeren Schmerzen zur Beginn der Einnahme , teilweise auch in Körperteilen, die bislang schmerzfrei waren. Diese Reaktionen waren allerdings nur kurzfristig zu beobachten und gingen in der Regel guten Therapieerfolgen voraus.

Viele Versuchspersonen berichteten von Verdauungsproblemen, Durchfall oder leichter Verstopfung. Diese Probleme konnten reduziert werden, indem die Kapseln (Humanpräparate werden in der Regel in Kapselform eingenommen) mit einem Getränk direkt vor einer Mahlzeit eingenommen wurden. Da beim Tier in der Regel das Pulver oder die Kapseln über die Nahrung verabreicht werden, sind diese Nebenwirkungen eher selten zu erwarten.

Welche Erwartungen kann man stellen

Laut den verschiedenen Erfahrungsberichten und Studien sind positive Effekte durch die Einnahme des Muschelmehls in der Regel zu erwarten. Die Intensität der Wirkung hinsichtlich Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit ist allerdings individuell und muss im Einzelfall bewertet werden (u.a. Art und Schwere der Erkrankung, Alter des Patienten). Bei manchen Patienten ist eine Kur über mehrere Wochen ausreichend, bei anderen ist eine lebenslange Gabe notwendig, um eine gleichbleibende Verbesserung zu erzielen. Ebenso verhält es sich mit dem Beginn der Wirkung, sie kann bereits einige Tage nach der Einnahme sichtbar werden, möglich sind aber auch erste sichtbare Zeichen nach einigen Wochen der Einnahme. Die Mehrheit der Fälle, in denen sich positive Veränderungen bemerkbar machen, liegt irgendwo dazwischen.

Unbestritten ist, dass degenerative Gelenkerkrankungen durch die Einnahme eines Grünlippmuschelpräparates nicht vollständig geheilt oder Schmerzen immer vollständig gelindert werden können. Als Nahrungsergänzung, insbesondere einer ganzheitlichen Therapie sind sie aufgrund der bisherigen Beobachtungen und Studien jedoch sicherlich empfehlenswert.

Quellen:

Studien (siehe Links)

John Croft, Heilkraft aus dem Meer, Walter Hädeke Verlag / NaturaViva Verlags GmbH, ISBN 3-935407-21-1

Jan de Vries, Life without arthritis, Mainstream Publishing Company (Edinburgh) Ltd., ISBN 1-85158-466-8

Verwendung von Chondroitinsulfat in Nahrungsergänzungsmitteln Stellungnahme Nr. 031/2007 des BfR vom 15. Juni 2007

Tina Hildenbrand

www.pfotenheilpraktik.de

 

 

Hinweis:

Wenn Sie ein Hausmittel anwenden möchten, überprüfen Sie vorher immer, ob dieses Mittel tatsächlich für den individuellen Fall Ihres Tieres geeignet ist. Alles, was eine Wirkung hat, kann auch eine unerwünschte Wirkung haben. Vieles Herumprobieren kann ein krankes Tier mehr schwächen als heilen. Achten Sie daher genau darauf, ob es Ihrem Tier unter der Anwendung des Hausmittels wirklich besser geht, ob gar nichts passiert oder ob sogar neue Symptome auftreten. Nur wenn es Ihrem Tier besser geht, ist die Anwendung für begrenzte Zeit auch sinnvoll.


Wenn Sie unsicher sind oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an eine/n Tierheilpraktiker/in oder Tierarzt/Tierärztin.

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