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Heilerde

 

 

Heilerde und Tonerde

Schon in der Antike haben Menschen Erden zu heilenden und kosmetischen Zwecken benutzt. Heute verwenden wir verschiedene feine Erden zu demselben Zweck. Meist kennen Laien aber kaum den Unterschied zwischen Heilerde, Lavaerde (Ghassoul), roter, grüner, weißer (Kaolin) oder anders gefärbter Tonerde.

Die Heil- und Tonerderden haben ihren Ursprung gemeinsam: Sie sind vor Millionen Jahren aus zerbrochenen Felsen entstanden, die unter Einfluss von Wasser, Wind und Erdbewegungen zu Staub zerrieben wurden und sich dann in Bodensenken sammelten. Durch den Druck der sich darüber ablagernden Erdschichten wurden sie zu Löss zusammengepresst. Dieser Löss wird heute wieder abgebaut und zu unseren Heil- und Tonerden weiterverarbeitet.

Je nach Ort des Abbaus und je nach Zusammensetzung der enthaltenen Mineralien weisen die Erden unterschiedliche Farben auf. Sie enthalten unter anderem Silicium, Kalzium, Aluminium, Magnesium manchmal auch Kupfer oder Eisen.

Bei den Heilerden geht es aber nicht – wie man denken könnte - darum, dem Körper Spurenelemente zuzuführen (die sind auch in der Form aus den Erden gar nicht herauszulösen). Die Wirkung der Heilerden bezieht sich viel mehr auf die Tatsache, dass sie, unter dem Mikroskop betrachtet, eine sehr schroffe und damit besonders große Oberfläche pro Partikel aufweisen. Dies bewirkt eine enorme Bindungsfähigkeit der Erden, vergleichbar mit einem Schwamm.

Dieses so genannte Sorptionsvermögen machen wir uns zu Nutze. Nicht nur Flüssigkeiten steigen durch die feinsten Kanäle (Kapillare) der Tonerdepartikel, auch Fette oder Emulsionen aus Wasser und Fett und anderen Substanzen können mit Tonerde gebunden werden. Je winziger dabei die einzelnen Erdepartikel, desto größer ist der absorbierende Effekt.

Für den Einsatz als Kosmetikum und Nahrungsergänzung reicht es natürlich nicht, die Erde einfach abzubauen. Sie muss sehr rein, darf also nicht mit Fremdstoffen durchsetzt sein und sie muss keimfrei gemacht werden. Zwar ist in den großen Tiefen, wo die Erden natürlicherweise lagern, weder mit Krankheitserregern, noch mit anderen Verunreinigungen zu rechnen, aber beim Abbau kann die Erde natürlich schnell kontaminiert werden. Deshalb werden die Erden gesiebt und traditionell durch Öfen in der prallen Sonne so stark erhitzt, dass alle Krankheitserreger abgetötet werden. Die Erden werden heutzutage auch teilweise durch maschinelles Pasteurisieren keimfrei gemacht.

In den Verkauf gelangen die Erden als Heilerde oder Tonerde.

Natürlich gibt es hier genaue Gesetze, welche Bedingungen eine Erde erfüllen muss, um „Heilerde“ genannt werden zu dürfen. Denn der Begriff „Heilerde“ macht eine einfache Erde in unserem Land rechtlich zu einem Arzneimittel. Und um aus einer Substanz ein Arzneimittel zu machen, muss der Hersteller sehr strenge und kostspielige Auflagen erfüllen. In Deutschland besitzen nur sehr wenige Hersteller diese Arzneimittelzulassung und dürfen ihr Produkt „Heilerde“ nennen.

Es gibt aber noch zahlreiche weitere Firmen, die Erden für den gleichen Einsatzzweck verkaufen. Sie führen meist den Zusatz „Nahrungsergänzungsmittel“, dürfen aber nicht mit einer heilenden oder medizinischen Wirkung ihres Produkts werben. Aber auch bei Nahrungsergänzungsmitteln ist keimfreiheit und eine geprüfte Qualität gesetzlich vorgeschrieben.

Der Einsatz von Tonerden

Die verschieden gefärbten Tonerden werden hauptsächlich in der Herstellung von Kosmetika verwendet. Manchmal wegen ihrer schönen, natürlichen Farben, aber meist aufgrund ihrer absorbierenden Wirkung. In Gesichtsmasken oder als Haarkur nehmen sie überschüssiges Fett auf.

Flohbekämpfung

Häufig liest man den Tipp, dass mit Ton- oder Heilerde Flöhe vertrieben werden können. Die einen sagen, dass die Tonerde Flöhe und ihre Gelege austrocknen, die anderen sagen, dass die winzigen Partikel sich in den Zwischenräumen der Chitinpanzer der Flöhe festsetzen und damit ihre Bewegungsmöglichkeit verhindern.

Grundsätzlich gilt: Tonerde gegen Flöhe sollte ausschließlich in der Umgebung der Tiere gestreut werden und nicht auf das Tier selbst. Wenn wir eine Katze oder einen Hund so stark mit Tonerde einpudern, dass davon die Flöhe sterben, dann trockenen wir die Haut und das Fell des Tieres so extrem aus, dass sie ihren natürlichen Keimschutz verlieren und für Infektionen mit Pilzen oder Bakterien empfänglich werden kann. Außerdem kann das Fell stumpf und brüchig werden.

Aber auch in die Umgebung des Tieres gestreut, kann dieser Einsatz problematisch werden. Im Körbchen von Hunden oder Katzen zum Beispiel wird durch jede Bewegung des Tieres der feine Staub aufgewirbelt und natürlich von Hund oder Katze eingeatmet. Besonders Katzen reagieren darauf sehr empfindlich. Felines Asthma und andere Atemwegsbeschwerden können dadurch gefördert oder verursacht werden.

Am ehesten kann Tonerde gegen Flöhe eingesetzt werden, wenn ganze Wohnungen von Flöhen kontaminiert wurden und zum Beispiel Ritzen in Holzdielen nicht genügend mit Insektiziden gereinigt werden können. Hier kann Tonerde großzügig in die Ritzen gestreut werden. Allerdings darf das entsprechende Zimmer dann für ein bis zwei Tage nicht begangen werden und muss anschließend sehr, sehr gründlich mit einem Staubsauger gereinigt werden, der Feinstaub auffangen kann.

Der äußerliche Einsatz von Heilerde

Bei Heilerde unterscheidet man noch einmal in der Feinheit der Partikel. Zur innerlichen Anwendung kommt die ultrafeine Variante in Frage. Die etwas groberen (aber von uns immer noch objektiv als sehr fein empfundenen) Partikelgrößen setzt man eher äußerlich ein. Zum Zwecke der komplemantären Heilwirkung* können wir sowohl innerlich als auch äußerlich die ultrafeine Qualität verwenden.

(*Als komplementäre Heilmittel werden Anwendungen bezeichnet, die echte Heilmethoden begleitend unterstützen, aber selbst allein nicht zur Gänze Heilen können. Komplementäre Heilmethoden können Beschwerden lindern und so den Patienten entlasten. Beispiel: Heilerde kann Sodbrennen aufgrund einer Magenschleimhautentzündung lindern, kann aber die eigentliche Magenschleimhautentzündung nicht heilen.)

Wunden

Heilerde auf eine frische Wunde aufgebracht, nimmt die ausgetretene Flüssigkeit auf und sorgt für einen schnelleren Wundverschluss. So wird es jedenfalls empfohlen.
Tatsächlich stehen uns aber sehr viel bessere Mittel zur Verfügung, eine nässende Wunde zu versorgen.

Objektiv betrachtet scheint z.B. eine Schürfwunde, die Blut und Lymphe absondert irgendwie besser auszusehen, wenn wir Heilerde aufstreuen und die das Sekret aufsaugt. Aber was erreichen wir tatsächlich? Die Wunde wird durch das Sorptionsvermögen der Heilerde stark ausgetrocknet. Die an der Luft trocknenden natürlichen Sekrete einer Wunde bilden aber sowieso schon einen sehr effektiven Wundfilm. Mit Tonerde kann sich dieser Film nicht bilden, er bleibt porös, durchlässig für Keime und reißt durch die große Trockenheit immer wieder auf. Und obwohl Tonerde bei der Produktion keimfrei gemacht wurde, hat diese Sterilität natürlich sofort ein Ende, wenn wir die Packung mit der Heilerde öffnen. Wollen wir wirklich unsterile Erdpartikel in eine offene Wunde geben?

Umschläge

Umschläge mit Heilerde werden hauptsächlich bei Prellungen gemacht. Hier wirkt allein die kühlende Wirkung. Denn Heilerde mit kaltem Wasser verrührt bleibt lange kühl. Inzwischen sind pauschale Kältebehandlungen bei Prellungen und Verstauchungen sehr umstritten. Bei Tieren wirkt ein solcher kühlender Umschlag sowieso nur an Stellen, die nicht von Fell bedeckt sind.

Der innerliche Einsatz von Heilerde

Hier findet die Heilerde tatsächlich ein sehr sinnvolles Einsatzgebiet, denn wir können uns ihre starke Saugfähigkeit zunutze machen.

Übersäuerung des Magens

Heilerde hilft besonders Hunden, die unter Übersäuerung des Magens und Sodbrennen leiden. Dieser Zustand lässt sich meist an häufigem Schmatzen, Leerschlucken, Züngeln, Leckanfällen (exzessives Gegenstände abschlecken) und suchtartigem Grasfressen erkennen. Besonders wenn die Tiere lange nichts gefressen haben zeigen sich diese Symptome. Der Grund dafür ist, dass der Hund sehr viel Säure im Magen produziert hat. Meist reicht es aus, ihm dann ein Stück Zwieback oder ähnliches aufsaugendes Futter zu geben. Wenn das nicht mehr reicht, kann man mit Heilerde helfen.

Die Heilerde kann größere Mengen überschüssiger Magensäure binden und damit die Übersäuerung und das Sodbrennen lindern. Wichtig dabei ist, dass die Heilerde sich vor dem Verfüttern nicht schon zu stark vollsaugt. Denn dann kann sie logischerweise nicht mehr so viel Magensäure aufnehmen. Andererseits können wir die Erde natürlich auch nicht trocken verfüttern. Deshalb sollte sie direkt vor der Verabreichung je nach Herstellerangaben angerührt und dann sofort verfüttert werden.

Eine Übersäuerung des Magens ist von der Natur nicht vorgesehen und hat immer einen Grund. In Frage kommen zum Beispiel Futterunverträglichkeiten, ungeeignetes Futter, Stress und/oder Erkrankungen des Magens. Die Anwendung von Heilerde kann diese Auslöser nicht heilen, sondern nur deren Folgen lindern.

Durchfall

Heilerde wird auch bei Durchfall empfohlen, ist hier aber nur mit sehr viel Bedacht einzusetzen. Der Zweck der Heilerde bei Durchfall ist, möglichst viel von dem Wasser im Darm zu binden, damit der Stuhl nicht so flüssig ist und dadurch besser kontrollierbar wird. Die Ursache des Durchfalls wird durch Heilerde nicht behoben! Es ist ziemlich schwierig, Heilerde so zu dosieren, dass sie tatsächlich erst im Darm ihre aufsaugende Wirkung entfaltet (und nicht etwa den leeren Magen austrocknet!).

Zum Zweck der besseren Kontrollierbarkeit des Darmhinhalts bei Durchfall erfüllt ein geriebener Apfel sehr viel besser. Das dabei frei werdende Pektin des Apfels bewirkt ebenfalls eine Bindung von Wasser im Darm.

Entgiftung und Darmsanierung

Diese beiden Begriffe sind sehr in Mode gekommen. Grundsätzlich braucht bei einem gesunden Tier der Darm weder „entgiftet“ noch „saniert“ zu werden. Die Idee der Anwendung von Heilerde zu diesem Zweck beruht wieder auf der absorbierenden Wirkung. Eventuell im Darm vorhandene Toxine (Gifte) werden schlicht an die Tonerdepartikel gebunden und können ausgeschieden werden.

Darmsanierungen werden meist im Anschluss an längere Medikamentengaben (besonders Antibiotika), nach akuten Durchfällen und aufgrund von chronischen Darmerkrankungen empfohlen. Ziel ist es, wieder eine ausgewogene Darmflora herzustellen. Hier kann Heilerde wie gesagt allenfalls eventuell vorhandene Toxine binden. Die geschädigte Darmflora baut sich über die Heilerdewirkung nicht wieder auf.

Unerwünschte Wirkungen

Falsch angewendete, falsch dosierte oder individuell vom Organismus falsch verwertete Heilerde kann Verstopfungen verursachen. Wenn akute Verdauungsstörungen fehlinterpretiert werden und etwa bei einem Darmverschluss oder einer starken Verstopfung Heilerde gefüttert wird, kann dadurch das Krankheitsbild verschlimmert werden.

Heilerde kann im Magen und im Darm die Wirkstoffe von Medikamenten binden und wichtige Medikamente damit unwirksam machen.

Fazit

Heilerde hat ihre Berechtigung zur Linderung von Beschwerden durch überschüssige Magensäure. Vor der Verabreichung sollten Tierhalter durch das Zurate ziehen von Tierarzt oder Tierheilpraktiker sicher gehen, dass andere Verdachtsdiagnosen, die den Einsatz von Heilerde kontraindizieren, ausgeschlossen sind.

Während einer homöopathischen Behandllung kann Heilerde insofern störend wirken, als dass der Verlauf und die Mittelwirkung nicht richtig beurteilt werden können, weil die Heilerdeanwendung Symptome wie Sodbrennen oder Durchfall verschleiert.

Claudia Grothus
klassisch arbeitende Tierhomöopathin

www.claudia-grothus.de

Hinweis:

Wenn Sie ein Hausmittel anwenden möchten, überprüfen Sie vorher immer, ob dieses Mittel tatsächlich für den individuellen Fall Ihres Tieres geeignet ist. Alles, was eine Wirkung hat, kann auch eine unerwünschte Wirkung haben. Vieles Herumprobieren kann ein krankes Tier mehr schwächen als heilen. Achten Sie daher genau darauf, ob es Ihrem Tier unter der Anwendung des Hausmittels wirklich besser geht, ob gar nichts passiert oder ob sogar neue Symptome auftreten. Nur wenn es Ihrem Tier besser geht, ist die Anwendung für begrenzte Zeit auch sinnvoll.

Wenn Sie unsicher sind oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an eine/n Tierheilpraktiker/in oder Tierarzt/Tierärztin.

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