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Ingwer

Ingwer

Ingwer (Zingiber officinale Roscoe) gehört zur Familie der Ingwergewächse = Zingiberaceae

Engl. Ginger

Weitere Namen: Immerwurzel, Schnapswurzel

Botanik und Herkunft

Der vom Ingwer verwendete Pflanzenteil ist der Wurzelstock (Zingiberis rhizoma). Er verbreitet sich waagerecht im Boden und verzweigt sich geweihartig. Aus dem Wurzelstock wächst ein, bis zu einem Meter hoher, Scheinstengel. Er hat eine zapfenartige Blütenähre mit grünen Deckblättern und gelbem Rand. Aus der Ähre entfaltet sich eine gelbe, braune oder violette Blüte.

Die Heimat von Z. Officinale Roscoe ist Südostasien. Das genaue Herkunftsland ist nicht sicher bekannt. Der industriell verwendete Ingwer stammt ausschließlich aus Kulturen, die in zahlreichen Gebieten des Tropengürtels liegen (Hauptanbaugebiete: Indien, China, West-Malaysia und Nigeria, außerdem Australien, Jamaika und weitere Staaten mit entspechendem Klima).

Geschichte

Ingwer wurde seit früher Zeit in Indien und China kultiviert. Die getrocknete Wurzel gelangte ins Mittelmeergebiet und wurde bereits von den Römern und Griechen als Heil- und Gewürzpflanze verwendet.

Im 13. Jahrhundert kam sie mit den Arabern nach Ostafrika und im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen nach Westafrika.

Im Mittelalter war Ingwer auch in Europa ein wichtiges Gewürz.

Ernte und Verarbeitung

Der Ingwer wird 8 – 9 Monate nach der Pflanzung geerntet. Kurz nach der Ernte werden die Wurzeln von Stengeln und Kleinwurzeln befreit und gewaschen („grüner Ingwer“), um dann 7-10 Tage in der Sonne zu trocknen.

Die Weiterverarbeitung verläuft unterschiedlich: „Bedeckter“ oder "Schwarzer Ingwer“ wird nicht geschält, sondern mit kochendem Wasser gebrüht und schnell getrocknet. „Weißer Ingwer“ wird geschält und häufig gebleicht und zur Schönung und zum Schutz vor Insektenbefall mit Kreide oder Kalk eingerieben. Das Schälen oder Anritzen dient der schnelleren Trocknung, führt aber durch Verlust des ätherischen Öls zur Beeinträchtigung der aromatischen Qualität.

Je nach Herkunftsland gibt es Unterschiede im Gehalt an ätherischen Ölen, Scharf- und anderen Inhaltsstoffen.

Droge

Zingiberis rhizoma ist weltweit offiziell als Heilmittel durch Aufnahme in das amtliche Arzneibuch anerkannt.Die klassische Droge für pharmazeutische Zwecke ist der getrocknete Ingwerwurzelstock. Als Arzneibuchware wird geschälter oder ungeschälter, ungebleichter Ingwer gefordert.

Der Geschmack ist aromatisch, mehr oder weniger scharf und leicht bitter. Der Geruch ist aromatisch und enthält bei indischer, chinesischer und australischer Ware eine zitronige Note.

Inhaltsstoffe

Ingwer enthält ätherische Öle, Zingiberen, Zingiberol, Gingerol, und Shogaol das bei der Lagerung aus dem Gingerol entsteht.

Eigenschaften

  • antiemetisch ( vor Erbrechen schützend)
  • antithrombotisch (verhindert die Bildung von Blutgerinnseln)
  • antihepatoxisch (die Leber schützend)
  • antibakteriell
  • antihelmintisch (gegen Würmer)
  • antimutagen (das Erbgut schützend)
  • antikanzerogen (schützt vor Krebserkrankung)
  • antioxidativ (schützt vor freien Radikalen)
  • antiphlogistisch (entzündungswidrig)
  • antitussiv (gegen Husten)
  • analgetisch (schmerzlindernd)
  • kardiotonisch (herzstärkend)
  • fungizid (gegen Pilz)
  • immunstimulierend
  • karminativ (gegen Blähungen)
  • diuretisch (entwässernd)
  • durchblutungsfördernd
  • stimulierend
  • Steigerung der Speichel- und Magensaftsekretion
  • Steigerung von Tonus (Spannung) und Peristaltik (Bewegung) des Darms
  • Steigerung der Gallensaftsekretion
  • Senkung des Cholesterinspiegels

Die schmerzstillenden Effekte des Ingwers sind am besten durch Studien belegt. In ihrer chemischer Struktur und Wirkung ähneln die Gingerole dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure. Acetylsalicylsäure wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und thrombosehemmend.

Einsatzgebiete

Im Tierversuch stimulierten alkoholische Ingwerextrakte die vasomotorischen Zentren und führten zur Erweiterung der peripheren Blutkapillaren.

Forscher an der Universität Odense in Dänemark haben herausgefunden, dass Ingwer in hohem Maße die Blutgerinnung verringert. Dadurch kann Arteriosklerose, Thrombosen und Schlaganfällen sowie Migräne vorgebeugt werden.

Ingwer ist auch ein wirksames Mittel gegen Muskelschmerz. Eine Vergleichsstudie fand heraus, dass Ingwer bei Arthrose- und Rheumaschmerzen ebenso wirksam ist wie der Wirkstoff Ibuprofen, ohne dass Nebenwirkungen aufgetreten sind.

Die regelmäßige Einnahme von Ingwer-Extrakten kann den Blutzuckerspiegel nachhaltig senken, in dem er die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen unabhängig von einer Insulingabe unterstützt.

Er bewirkt durch Tonus-Steigerung die Anregung der Darmperistaltik und wird daher bei Verdauungsproblemen eingesetzt.

Dr. Beate Niesler vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums in Heidelberg, hat festgestellt, dass die Ingwerwurzel die Serotonin-Andockstellen auf den Nervenzellen besetzt, das Serotonin kann nicht mehr binden und das Brechzentrum wird nicht aktiviert und Übelkeit bleibt aus. Dieser Effekt kann bei der Krebsbehandlung die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern.

Aber auch bei dyspeptischen Beschwerden und zur Verhinderung von Reisekrankheiten wurde Ingwer in das Deutsche Arzneibuch aufgenommen.

Durch in vivo-Studien an Ratten mit Diabetes mellitus wurde die antidiabetische Wirkung von Ingwerextrakten ausführlich belegt.

Aufgrund der Wärme, die durch die hautreizende Wirkung seiner Scharfstoffe erzeugt wird, kann Ingwer positiv auf Beschwerden des Bewegungsapparates wirken.

Dosierung

Hier kommt es auf den Anteil des Gehalts an Scharfstoffen (Gingerole) an. Er sollte zwischen 2 und 3 % liegen. Den höchsten Gehalt hat Ingwer zum Beispiel aus Tansania (Afrika) und Indien.

Bei frischem Ingwer handelt es sich meist um Ware aus Asien, die einen geringen Gehalt an Gingerolen hat. Der frische Zustand scheint diesen Nachteil aber auszugleichen.

Durch Lagerung wandeln sich die Gingerole langsam in Shogaole um. Dadurch verliert der Ingwer an Wirkung. Über eine sinnvolle Lagerungsdauer für frischen Ingwer konnten keine Angaben ermittelt werden.

Die Tagesdosis Ingwerpulver für einen erwachsenen Menschen beträgt 2-4 Gramm täglich beziehungsweise 30 - 40 Gramm frischer Ingwer.

Bei Tieren sollte die Menge nach und nach erhöht werden, um eine Gewöhnung an die Schärfe zu erreichen.

Die Dosierung beim Pferd ist wegen der geringeren Menge an Magensäure niedriger als bei Hunden: 1- 3 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht pro Tag.

Bei Hunden: 2 g Ingwerpulver pro 10 kg Körpermasse

Bei chronischen Erkrankungen ist grundsätzlich eine Dauergabe möglich, ansonsten ist eher eine kurweise Verabreichung über 4-8 Wochen zu empfehlen.

Risiken und Nebenwirkungen

Ingwer sollte, wie jedes Schmerzmittel, nur zeitlich begrenzt verabreicht werden. Denn auch hier besteht die Gefahr, dass die Symptome einer Entzündung und Lahmheit überdeckt werden und der Patient sich nicht ausreichend schont.

Ingwer beseitigt, ebenso wie Schmerzmittel, nicht die Ursache einer Erkrankung sondern nur deren Symptome.

Bei altersbedingten Abnutzungserscheinungen der Gelenke sollte zumindest mit Chondroitin- und Glukosaminpräparaten ergänzend behandelt werden.

Bei dauerhaft hohen Ingwergaben kann durch die Anregung der Darmperistaltik bei Pferden die Gefahr einer Kolik sowie die Durchfallgefahr steigen.

Bei empfindlichen Patienten besteht die Gefahr von Magenschleimhautreizungen und –schädigungen durch vermehrte Bildung von Magensaft. Bei Menschen wird von starkem Sodbrennen berichtet. Durch die Reizung der Speisenröhrenschleimhaut erhöht sich das Risiko der Entstehung von Speiseröhrenkrebs.

Ingwer sollte bei Nierenschwäche niedriger dosiert werden, denn die Wirkstoffe werden langsamer ausgeschieden.

Durch die blutverdünnenden und blutgerinnungshemmenden Eigenschaften des Ingwers besteht die Gefahr von unerwünschten oder übermäßigen Blutungen, z.B. bei Operationen und bei Personen mit Blutgerinnungsstörungen. Zumindest bei Einnahme in hohen Dosen.

In der Schwangerschaft oder Trächtigkeit sollte Ingwer nicht eingesetzt werden, denn bestimmte Inhaltsstoffe können Wehen auslösen. Außerdem fehlen
umfangreiche Daten zum Einsatz von Ingwer in der Schwangerschaft.

Fazit

Für den Einsatz von Ingwer liegen genügend internationale Nachweise für seine Wirksamkeit vor. Nicht zuletzt sein Eintrag 1997 ins Deutsche Arzneibuch (DAB).

Der Einsatz von Ingwer kann aber nicht in jedem Fall Beschwerdefreiheit garantieren. So habe ich ihn bei 2 Pferdepatienten
schon ohne jeglichen Erfolg eingesetzt obwohl das Produkt, soweit man es wirklich wissen kann, ein hochwertiges war.

Zusammen mit Homöopathie ist Ingwer besser nicht einzusetzen, denn seine Scharfstoffe stören die Wirksamkeit der feinstofflichen homöopathischen Arzneimittel.

 

Quellen:

Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis

Wikipedia

Klaus Krämer Gesund und fit mit Ingwer

Dr. Stephen Fulder; Tabelle; Pflanzenexperte:

Dr. James Duke, Überblick über die medizinisch wirksamen Bestandteile des Ingwers und deren Wirkung

Forschungsgruppe Dr. Feil 

Katharina Heimes 2009: DIE ANTAGONISTISCHE WIRKUNG VON ZINGIBER OFFICINALE ROSC. UND MENTHA X PIPERITA L. UND EINIGER IHRER INHALTSSTOFFE AM 5-HT3 REZEPTORKANALKOMPLEX: BEDEUTUNG FÜR ANTIEMESIS, REIZDARMSYNDROM-THERAPIE UND INSULINAUSSCHÜTTUNG

Erasmus-Medizinzentrums in Rotterdam, veröffentlicht in „New England Journal of Medicine“, Nov. 2001, Bd. 345, S. 1515; von der University of California, veröffentlicht Nov. 2001 in „Nature“

Universitäten Toronto und Washington, American Academy of Neurology, 2003)

Planta Medica: University of Syndey: Die Wirkung von Ingwer-Extrakten auf Zellkulturen

Bliddal H et al.: A randomized, placebo-controlled crossover study of ginger extracts and ibuprofen in osteoarthiritis. Osteoarthiritis Cartilage 2000; 8:9-12

Katja Kreiselmeier: ” Pferde gesund und vital durch Heilkräuter”

The Ginger Book (1996) von Stephen Fulder, Ph.D.

 

Sylvia Brosch und Julia Borggreve


www.tierheilpraktiker-dillingen.de

Hinweis:

Wenn Sie ein Hausmittel anwenden möchten, überprüfen Sie vorher immer, ob dieses Mittel tatsächlich für den individuellen Fall Ihres Tieres geeignet ist. Alles, was eine Wirkung hat, kann auch eine unerwünschte Wirkung haben. Vieles Herumprobieren kann ein krankes Tier mehr schwächen als heilen. Achten Sie daher genau darauf, ob es Ihrem Tier unter der Anwendung des Hausmittels wirklich besser geht, ob gar nichts passiert oder ob sogar neue Symptome auftreten. Nur wenn es Ihrem Tier besser geht, ist die Anwendung für begrenzte Zeit auch sinnvoll.


Wenn Sie unsicher sind oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an eine/n Tierheilpraktiker/in oder Tierarzt/Tierärztin.

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