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Foto: Donovan Govan

Knoblauch

Knoblauch

 

Der  Knoblauch ( Allium sativum), ein Zwiebelgewächs aus der Gattung der Lauchgewächse wird schon seit dem Altertum als Gewürz – und Heilpflanze genutzt und  wurde im Jahre 1989  in Deutschland zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Die Pflanze:

Ist ausdauernd und krautig, sie wächst 30 bis 90 cm hoch und trägt flache, grünliche Laubblätter . Knoblauch bildet eine ausdauernde Zwiebel, die sich vermehrt und  die sogenannten „ Zehen“ entstehen lässt, ca. 5-20 Tochterzwiebeln. Aus der Hauptzehe treibt der Stängel aus, er trägt einen Blütenstand mit wenigen Blüten und kleinen Brutzwiebeln, die zur Vermehrung direkt in den Boden gesetzt werden können. Die Erntezeit ist im September / Oktober.

Die Geschichte:

Der heute bekannte und vielseitig genutzte Knoblauch ist eine Kulturpflanze, die wilde Form gilt als ausgestorben. Diese Kulturpflanze gelangte aus den asiatischen Steppengebieten über das Mittelmeer nach Europa und war schon im Altertum als Nahrungs – und Heilmittel bekannt. So benutzen z.B. ägyptische Sklaven Knoblauch als Stärkungsmittel und zur Vertreibung von Läusen und Parasiten, der Talmud empfiehlt dessen  stetigen Genuss, weil der Knoblauch den Körper sättigt, dem Geist Klarheit gibt, die Manneskraft stärkt und Parasiten aus dem Darm vertreibt.

Im 1. Jahrhundert erläuterte der antike Arzt Pedanios Dioscurides in seiner Schrift De materia medica ausführlich die vielfältigen Anwendungsbereiche von Knoblauch als Heilmittel , wie etwa  bei Bisswunden, Haarausfall, Zahnschmerzen, Hautausschläge oder Lungenleiden. Im Spätmittelalter wurde der Knoblauch, der ganz allgemein als entgiftend galt, auch gegen die Pest angewandt.

In vielen Ländern und Regionen (beispielsweise in Asien)  wird dem Knoblauch eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.

Nicholas Culpeper riet gemäß der Vier-Säfte-Lehre: wegen seiner "gewaltigen Hitze" solle man Knoblauch "nur mit äußerster Mäßigung" verzehren.

Nach Deutschlands gelangte der Knoblauch höchstwahrscheinlich durch die vordringenden Römer. Bereits im  Ende des 8. Jahrhunderts von Karl dem Großen erlassenen Capitulare de villis vel curtis imperii wird der Knoblauch unter den zu kultivierenden Nutzpflanzen genannt.

Die Inhaltsstoffe:

Knoblauch enthält eine Vielzahl von medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen. Die wichtigsten sind Proteine, Fette, Glyzide, Faserstoffe, ätherische Öle und  Mineralstoffe wie Selen, Jod, Kalium, Eisen, Zink, Kalzium, Phosphor und Magnesium. Dazu  kommen die Vitamine A, B, und C sowie  schwefelhaltige Verbindungen wie Alliin und mehrere Enzyme. Durch die Verletzung der Zellen beim Pressen der Zehen gelangen die Enzyme in Kontakt mit dem Alliin und der eigentliche Wirkstoff Allicin kann gebildet werden. Dieser ist Ausgangsstoff für Schwefelwasserstoff und andere schwefelhaltige Verbindungen die besonders beim Erhitzen von Knoblauch entstehen.

Die Heilwirkung:

Die Liste der in vielen Ratgebern empfohlenen Anwendungsbereiche von Knoblauch als Heilmittel ist lang, von Bluthochdruck und Lungenschwäche, Asthma, Herzinsuffizienz, Verdauungsstörungen  und Wechseljahresbeschwerden über Krebsvorbeugung, Warzen, Wurmbekämpfung und Infektionsheilung bis hin zur Arteriosklerose und Insektenabwehr ist alles dabei.

Doch was hat es mit der Heilwirkung von Knoblauch wirklich auf sich?  Welche Erkrankungen kann er positiv beeinflussen und warum ist er überhaupt gesund? Diesen Fragen möchte ich mich im weiteren näher widmen.

Die allgemeine Wirksamkeit:

Durch seine Vitamine und Mineralstoffe wirkt sich der regelmäßige Verzehr von Knoblauch positiv auf den Organismus aus, er wirkt antibakteriell, abführend, desinfizierend, krampflösend und sekretionssteigernd. Er verhindert Schäden, die durch freie Radikale verursacht werden und schützt somit vor Krankheit und vorzeitigem Altern. Die vielfältige und heilsame Anwendung der Knolle ist groß, jedoch auch heute noch nicht komplett erforscht.

Die antibiotische Wirkung auf Bakterien, Viren, Schimmel – und Hefepilze:

Die antibiotische Wirkung im Knoblauch beruht auf dem Penicillin ähnlichem Allicin und dem chemisch stabilerem Garlicin. Sie basiert auf dem Vermögen dieser Wirkstoffe die Giftausscheidungen von Bakterien  stoppen zu können ( z.B. das wärmeliebende Bakterium Clostridum botulinum am Ausscheiden seiner Fäulnisprodukte zu hindern), sowie auf die  hohe Wahrscheinlichkeit der Einwirkung und Abtötung von Viren.  

Wirksamkeit auf spezielle Erkrankungen:

  1. Herzerkrankungen
  2. Krebs
  3. Erkältungen/ Grippe
  4. Parasitenbefall
  5. Darmerkrankungen
  6. Vergiftungen
  7. Hauterkrankungen
  8. Insektenabwehr

Wirkung bei Herzerkrankung:

Die Heilwirkung des Knoblauchs auf Herz- Kreislauf – Erkrankungen gilt als gesichert und ist das bedeutsamste Einsatzgebiet der Pflanze. So verringert er als natürlicher Blutverdünner das Auftreten von Blutgerinnseln und damit auch das Risiko für Schlaganfälle und Thrombosen.

Knoblauch ist  wahrscheinlich durch seinen Wirkstoff Adenosin in der Lage Blutdruck und Cholesterinspiegel zu senken, er kann somit vorbeugend gegen Arteriosklerose wirken. Eine Senkung des schädlichen LDL – Cholesterins konnte nicht nachgewiesen werden, die Senkung der Cholesterinwerte insgesamt aber schon. Einer neueren Studie zufolge  zeigt sich eine Senkung von 12% schon nach vierwöchigem Verzehr von Knoblauch, die Darreichungsform scheint hierbei keinen bzw. nur einen geringen Einfluss auf die Wirksamkeit zu haben.

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden das die schützende Wirkung auf die Gefäßzellen im Herz – Kreislauf – System auf die Bildung des Schwefelwasserstoffes zurückzuführen ist, dieser entsteht bei der Verdauung und bewirkt eine Entspannung der Blutgefässe und eine Steigerung des Blutflusses. (Ergebnisse des Forscherteams um Gloria Benavides, Universität von Alabama in Birmingham in der Fachzeitschrift „PNAS“).

Wirkung bei Krebs:

Das im Knoblauch vorkommende Allicin wirkt krebsvorbeugend,  es wurde in mehreren Studien an der University of North Carolina nachgewiesen, dass Menschen die viel Knoblauch essen ein vermindertes Risiko haben an Darmkrebs zu erkranken und sich das Risiko an Magenkrebs zu erkranken um 50 % reduziert.

Knoblauch wurde schon in der Antike gegen Gebärmutterhalskrebs eingesetzt, was wahrscheinlich auf die Wirksamkeit gegen Viren, und damit auch den an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligten Papillomviren beruht. Man geht heute davon aus das Knoblauch definitiv die Entstehung von Krebs unterbinden kann und die Bildung neuer Krebszellen durch das enthaltene Enzym Guanylatcyklase gehemmt wird. Einen entwickelten Krebs heilen kann er jedoch nicht ohne zusätzliche Heilmethoden.

Wirkung bei Grippe und Erkältungen:

Mit seiner antibakteriellen Wirkung ist Knoblauch in der Lage Bakterien und Viren zu bekämpfen, er gilt von daher als natürliches Antibiotikum. Knoblauchextrakte erleichtern die Schleimsekretion und den Abbau von Schadstoffen und Allergenen in den Luftwegen.

Das ätherische Öl kann gut zum Inhalieren genutzt werden, zur Grippevorbeugung eignet sich Knoblauch mit Honig.

In Osteuropa gilt Knoblauch als Penicillin und wird zur Behandlung von Bronchialerkrankungen Halsangina und Entzündungen der Mundhöhle eingesetzt. Bei den beiden letzten Erkrankungen werden die betroffenen Stellen mit verdünntem Saft bestrichen oder damit gegurgelt.

Wirkung bei Parasitenbefall:

Der Einsatz von Knoblauch als Heilmittel gegen Wurmbefall (Spul – u. Bandwurm) ist seit dem Altertum bekannt und wird heute auch in der Tiermedizin genutzt. Es ist unklar ob  das Allicin auch hierbei die Hauptrolle spielt oder die Kombination der verschiedenen Wirkstoffe. Eine abführende Wirkung ist jedoch gegeben.

Wirkung bei Darmerkrankungen:

In Europa, Afrika und Asien wird Knoblauch wegen seiner antibiotischen  Wirkung auf ein breites Spektrum von Bakterien, Viren, Schimmel – und Hefepilzen zur Vorbeugung von Darmkrankheiten genutzt. Viele Bauch – und Magenbeschwerden werden durch Bakterien ausgelöst, diese können durch die Wirkstoffe Allicin und Garlicin gestoppt werden. In der englischen Schiffsmedizin wurde Knoblauchschnaps gegen Darmkrankheiten schon seit dem 17. Jahrhundert eingesetzt.

Wirkung bei Vergiftungen:

Knoblauch soll laut Volksmedizin gegen Pilzvergiftungen, Schlangen – und Skorpionbissen, bei Hornissen – und Wespenstichen wie auch bei Bissen von tollwütigen Tieren wirksam sein. Einen Nachweis konnte ich hierfür nicht finden. Eine Knoblauchkur bei Schwermetallvergiftungen zeigt jedoch nach der Behandlung einen deutlich reduzierten Schwermetallgehalt im Körper an und auch Vergiftungserscheinungen bei Nikotinvergiftungen können durch den Genuss von Knoblauch beseitigt werden.

Wirkung bei Hauterkrankungen:

Bei vielen Hauterkrankungen zeigt Knoblauch eine erstaunliche Heilwirkung, besonders bei Erkrankungen durch Hefe – und Schimmelpilze, aber auch bei Warzen, Sonnenbrand, Schuppenflechte, eiternden Wunden und Geschwüren. Hier hat sich vor allem die in Griechenland vorkommende Sorte Allium moly bewährt. Diese wird frisch in Scheiben geschnitten auf die Haut aufgelegt und bildet dort eine Filmschicht.

Wirkung gegen Insekten:

Knoblauch als Abwehr gegen Insekten wird gerade bei Tieren (Pferden) häufig empfohlen, der Geruch soll auf viele Insekten abschreckend wirken. Das ätherische Öl des Knoblauchs tötet Moskitolarven und stößt angeblich Zecken ab. Auch diese Wirkung konnte ich nirgends belegt finden. Die Erfahrungen scheinen  unterschiedlich zu sein und von Tier zu Tier verschieden. Beim Einsatz von Knoblauchpräparaten in der Pferdefütterung habe ich selber nicht die Erfahrung gemacht, dass dieses sich positiv auf den Insektenbefall auswirkte. Dieses ist aber nur eine Einzelerfahrung. Um den gewünschten Erfolg bei der Insektenabwehr zu haben muss Knoblauch über einen langen Zeitraum verabreicht werden, dieses kann sich allerdings auch nachteilig  auf die Gesundheit auswirken (siehe Punkt Nebenwirkungen).

Knoblauch und Homöopathie:

Die ätherischen Öle im Knoblauch können sich unter Umständen negativ auf eine klassisch homöopathische Behandlung auswirken. Dieses muss im Einzelfall betrachtet und mit dem behandelnden Therapeuten abgesprochen werden. Knoblauch ist auch als homöopathisches Mittel (Allium Sativum) im Handel und eignet sich in dieser Form gerade für die Behandlung von Tieren wahrscheinlich eher als die pflanzliche (Zehe). Auch der Einsatz in dieser Form bedarf wie jede homöopathische Therapie der Absprache mit dem zuständigem Behandler bzw. dessen Verordnung und  sollte keineswegs in Eigenregie erfolgen.

Darreichungsformen und Anwendung:

Knoblauch kann in pflanzlicher Form roh, gepresst oder gekocht verwendet werden, dieses sowohl innerlich, wie auch als Auflage auf Wunden , Stiche oder Hauterkrankungen. Gleichzeitig gibt es im Handel Knoblauchpräparate in Tabletten oder Drageeform, Knoblauchsaft und Knoblauchsirup, Kapseln und Dilution. Für Tiere wird Knoblauch häufig granuliert oder in Flocken ( frische Zehen in Scheiben geschnitten und getrocknet), in getrockneter Form oder als Zusatz in Kräutermischungen angeboten.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen:

Knoblauch kann die Wirkung von Antikoagulanzien (Blutverdünnungsmitteln) verstärken. Als Nebenwirkung bekannt ist die Veränderung des Geruches von Haut und Atem.

In Studien wurden bei der Einnahme von Knoblauch Magen – Darm – Beschwerden und Reizungen beobachtet. Dieses kann durch gleichzeitige Aufnahme von Brot verhindert werden.

Auch allergische Reaktion wie Juckreiz, Asthmaanfälle, Schnupfen und Bindehautreizung sind möglich.

Falsche Dosierung von Knoblauch (zu große Mengen) kann zu Vergiftungen führen, die sich klinisch in Symptomen wie Schwäche, Erbrechen und Durchfall zeigt. Auch eine gesteigerte Atemfrequenz, anhaltende Pulsbeschleunigung, Anämie, Gelbsucht und Hämoglobinurie bis hin zu Nierenversagen können im schlimmsten Fall die Folge sein.

Aus diesem Grunde sollen Knoblauch und Knoblauchpräparate nur als Kur über ca. drei Wochen verabreicht und genau dosiert werden.

Da die Verträglichkeit von Knoblauch bei Hunden unklar ist, sollte dieser nur krankheitsspezifisch und nicht vorbeugend eingesetzt werden.

Professor Dr. Ingo Nolte, Klinikdirektor für Kleintiere an der tierärztlichen Hochschule Hannover erklärt die Folge für eine Vergiftung durch Knoblauch damit, das Zwiebelgewächse eine Substanz enthalten die das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen zerstören und als Folge davon die Nierenkanäle durch zerfallene Blutzellen verstopft werden. Dieses kann zu Blutarmut führen.

Die Giftigkeit von Knoblauch ist abhängig von der Dosis, die Art der Darreichungsform ist dabei nicht entscheidend.

Laut Professor Nolte ist die absolute Giftigkeit sogar von Tier zu Tier schwankend und  bestimmte Hunderassen (Akita und Shiba Inu) sollten kein Knoblauch bekommen, da sie eine angeborene Abnormität der roten Blutkörperchen aufweisen.

Dosierung:

Die Angaben zur Dosierung und zur Höchstmenge für Tiere sind sehr unterschiedlich und teilweise widersprüchlich. Da Uneinigkeit über die Verträglichkeit (besonders bei Hunden) besteht, findet man leider auch keine einheitliche Definition von toxischer (giftiger) Dosierung bzw.gesundheitsfördernder Dosis.

Das Züricher Institut für Veterinärpharmakologie und – toxikologie listet in ihrer Giftdatenbank folgende Werte für Tiere auf:

Toxische (giftige) Dosis

Hunde = 5g/kg Körpergewicht frischer Knoblauch oder 1,25 ml/kg Körpergewicht Knoblauchextrakt über 7 Tage.

Pferde = tägliche Dosis mehr als 0,2 g/kg Körpergewicht getrockneter Knoblauch bzw. mehr als 2g/kg frischer Knoblauch.

Als Empfehlung des Institutes gilt als maximale Tagesdosis von frischem Knoblauch oder Äquivalent

Für Hunde und Katzen 4g

Für Pferde 20g

Swanie Simon, Tierheilpraktikerin und Buchautorin empfiehlt in ihrem Futterplan für Hunde 3x wöchentlich eine Knoblauchzehe (ca.3g) für einen 30 kg schweren Hund, das sind 0,3g/kg Körpergewicht auf eine Woche bezogen. Als toxisch bezeichnet sie 35,0g/kg Körpergewicht pro Woche. Aus Ihrer Sicht ist es mit der von ihr empfohlenen Dosis nicht möglich eine krankmachende Veränderung der roten Blutkörperchen herbeizuführen.

Fazit:

Der Einsatz von Knoblauch und Knoblauchpräparaten kann sich bei vielerlei Erkrankungen hilfreich und unterstützend auf die Gesundheit auswirken. Gleichzeitig ist es aber kein „ Allheilmittel“ und kein „Zaubertrank“, der ohne andere Maßnahmen, wie etwa artgerechte Ernährung und Haltung, klassische Homöopathie usw. eine schwere Erkrankung oder gar Krebs heilen kann. Der Einsatz bei Tieren sollte unbedingt vorsichtig dosiert sein und immer nur vorübergehend für 2-4 Wochen erfolgen.

Doris Schulz

www.praxis-fellundpfote.de

Hinweis:

Wenn Sie ein Hausmittel anwenden möchten, überprüfen Sie vorher immer, ob dieses Mittel tatsächlich für den individuellen Fall Ihres Tieres geeignet ist. Alles, was eine Wirkung hat, kann auch eine unerwünschte Wirkung haben. Vieles Herumprobieren kann ein krankes Tier mehr schwächen als heilen. Achten Sie daher genau darauf, ob es Ihrem Tier unter der Anwendung des Hausmittels wirklich besser geht, ob gar nichts passiert oder ob sogar neue Symptome auftreten. Nur wenn es Ihrem Tier besser geht, ist die Anwendung für begrenzte Zeit auch sinnvoll.


Wenn Sie unsicher sind oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an eine/n Tierheilpraktiker/in oder Tierarzt/Tierärztin.

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